WAS MACHT EIN GHOSTWRITER?

WAS MACHT EIN GHOSTWRITER?

Das Wichtigste gleich zuerst: Ich liebe meinen Beruf. Die Geschichten anderer Menschen aufzuschreiben und ihnen auf die Welt zu helfen, ist der wunderbarste Job, den ich mir vorstellen kann – und dass ich damit Geld verdiene, ist nur ein Teil dessen. Aber was macht so ein Ghostwriter eigentlich? Und wie wird man einer?

Ein Beruf mit Vergangenheit

Wer das Wort Ghostwriter hört, denkt oft zuerst an den bekannten Kinofilm oder an Prominente wie Helmut Kohl, dessen unglückliche Zusammenarbeit mit einem Ghostwriter jüngst für Schlagzeilen sorgte. Ghostwriter gibt es vermutlich schon so lange, wie es das Schrifttum gibt – in früheren Zeiten beschäftigten Herrscher ganze Kanzleien von Schreibern und persönlichen Biografen.
Es war ihre Aufgabe, das Leben und Wirken des Herrschers in einem möglichst guten Licht dastehen zu lassen – ein Licht, das seinen Platz in der Geschichte dauerhaft prägen würde.
Ghostwriter bleiben meistens im Hintergrund. Außer mir und meinen Kunden erfährt niemand von der Zusammenarbeit. So war das auch früher schon. Es ist eine Fußnote der Geschichte, dass die meisten Ghostwriter schon immer Frauen waren, die Texte für ihre häufig sehr viel bekannteren Männer schrieben.

Doch das Schreiben als “Geist” ist nicht die einzige Aufgabe eines “Auftragschreibers”. Auch einfache Menschen, die nie Lesen und Schreiben gelernt haben, gaben früher gegen Bezahlung Berufsschreibern den Auftrag, für sie Briefe zu schreiben und überließen ihnen die Wortwahl. Liebesbriefe erfreuten sich dabei besonderer Beliebtheit – denn mit den richtigen Worten erobert man nicht nur Untertanen, sondern auch Herzen, das wusste man auch früher. Das Internet und die Neuen Medien haben dem Beruf des Ghostwriters viele neue Betätigungsgebiete erschlossen

Jack of all trades, master of many

Heute ist die Arbeit eines Ghostwriters sehr viel breiter gefächert. Nicht nur Prominente und Wohlhabende nehmen seine Dienste in Anspruch, sondern sein Handwerk ist an vielen Stellen gefragt: Ghostwriter schreiben nicht nur Bücher und Biografien, sondern auch Zeitungsartikel, Reden für Politiker und Unternehmensberater, Hochzeitsreden, Briefe, Gedichte, Songtexte, sie überarbeiten redaktionelle Beiträge für Magazine und Drehbücher für Serien und Filme. Eines ist immer gleich: Sie finden immer da die richtigen Worte, wo es darauf ankommt.

Das Handwerk eines Ghostwriters macht aus Worten Schlüssel, die Herzen aufschließen, die Geschichten erzählen, die Menschen über Jahrhunderte und Entfernungen hinweg verbinden; sie sind es, die im Zweifelsfall Informationen zu Wissen verwandeln und dafür sorgen, dass die Gedanken anderer durch Worte die richtigen Kleider bekommen.

Durch das Internet hat die Bedeutung geschriebener Texte zugenommen, doch auch außerhalb ist eloquente Sprache von großer Wichtigkeit.

Was ist denn ein Ghostwriter?

Ghostwriter schreiben von Aufsätzen für Fachzeitschriften, PR-Texte, wissenschaftliche Arbeiten, Reden, Corporate Books (Bücher von Firmen) und belletristischer Literatur wie Romane, Krimis und Biografien so ziemlich alles. Dabei ist die Arbeit sehr unterschiedlich.


Diese Frage höre ich oft, wenn ich von meinem Beruf erzähle. »Was ist denn ein Ghostwriter?« Wikipedia definiert einen Ghostwriter folgendermaßen:

»Ein Ghostwriter (wörtlich: Geisterschreiber), auch Auftragsschreiber, ist ein Autor, der im Namen und Auftrag einer anderen Person schreibt.

Ghostwriter werden im Auftrag eines Verlages, einer vermittelnden Agentur oder eines Autors tätig, insbesondere wenn der in der Titelei ausgewiesene Autor nicht genügend Zeit oder keine ausreichenden Fähigkeiten besitzt, um »sein« Werk selbst zu verfassen.«


Quelle: Wikipedia

Das trifft es gut, umfasst aber nicht alle Tätigkeiten, die zur Arbeit eines Ghostwriters gehören.

Der Kunde im Mittelpunkt

Das Wichtigste an der Arbeit als Ghostwriter ist – nicht das Schreiben! Sondern die Menschen, die mit ihren Geschichten und Erfahrungen zu mir kommen, damit ich Ihnen dabei helfe, sie auf die Welt zu bringen. Deshalb bezeichne ich mich auch viel lieber als Literarische Hebamme.

Nehme ich einen Auftrag an, dann schreibe ich das beste Buch, das ich für diesen Kunden schreiben kann. Das bedeutet manchmal lange, durchgearbeitete Nächte, das Ringen mit einzelnen Sätzen und Figuren und auch, dass mal ein ganzes Kapitel einfach wieder herausfliegt. Ich schreibe immer mit so viel Hingabe, als schriebe ich das Buch für mich selbst. Ich gebe immer 100 Prozent und wachse mit jedem Projekt ein wenig. Ghostwriting kann man nur “absolut” machen, halbe Sachen funktionieren – für mich – nicht.

Die Grundlage dafür sind Sympathie und eine gute, offene und klare Kommunikation. Ich möchte, dass meine Kunden rundum zufrieden sind und am Ende auch wirklich IHR Buch in den Händen halten. Wenn ich einen Autor auf seiner Reise zu 150, 300 oder 500 Seiten Manuskript begleiten, verbringen wir viel Zeit zusammen und lernen uns kennen. Nur wenn wir gut kommunizieren und uns mit viel Wertschätzung begegnen, kann daraus etwas Gutes werden. Wir stehen zwar in einem geschäftlichen Verhältnis zueinander, doch die Freundschaft und die Freude am Schreiben dürfen dabei nie zu kurz kommen. Nur dann entsteht der richtige Flow, aus dem echte Qualität entsteht. Spüre ich schon am Anfang, dass die “Chemie” nicht passt, lehne ich den Auftrag ab.

Die Recherche

Was Wikipedia auch unerwähnt lässt, sind die umfangreichen Recherchen, die zur Arbeit eines Ghostwriters gehören: Das Lesen von Literatur und Beispielbüchern, die dem Auftraggeber von Stil und Inhalt her gefallen, die Recherche von Hintergründen, Fachbegriffen und Zusammenhängen – zu Hause, in Bibliotheken und Archiven.

Manchmal gehe ich für Biografien oder Firmenhistorien sogar auf Zeitreise und grabe längst Vergessenes aus. Ich erstelle Stammbäume, flechte Fotos und Dokumente ein oder erstelle passende Abbildungen.
Die englische Bezeichnung ghostwriter, für die es kein deutsches Äquivalent gibt, zeigt schon an, worauf es beim Ghostwriting ankommt: Ein Ghostwriter schreibt – und ist dabei unsichtbar wie ein Geist. Seine Urheberschaft an einem Text bleibt in den meisten Fällen das Geheimnis zwischen ihm und seinem Kunden.

Allerdings gibt es bei der Zusammenarbeit mit einem Ghostwriter sehr viele Unterschiede und als Co-Autor kann ein Ghostwriter durchaus genannt werden.

Welche Arten von Ghostwritern gibt es?

In Deutschland ist Ghostwriting zwar keine junge, aber doch nicht sehr verbreitete Dienstleistung – ganz im Gegenteil zu Amerika, wo das Ghostwriting gerade einen regelrechten Boom erlebt. Unter dem Begriff »Ghostwriting« verbergen sich aber zum Teil sehr unterschiedliche Profile.

Ghostwriter

Alexandre Dumas beschäftigte sie und viele andere berühmte Autoren der Vergangenheit und Gegenwart auch: Ghostwriter.
Wie die Bezeichnung schon andeutet, bleiben diese fleißigen Helfer für immer unsichtbar, das heißt, niemand erfährt, dass sie an einem Buch mitgearbeitet oder es selbst verfasst haben. Klassisches Ghostwriting bedeutet, dass ein Kunde mit einer Buchidee auf den Ghostwriter zukommt. Gegen Bezahlung oder eine spätere Beteiligung am Verkaufserlös schreibt der Ghostwriter das Buch für den Kunden. Dieser veröffentlicht es später unter seinem Namen. Niemand erfährt von der Zusammenarbeit. In diesem Zusammenhang bieten Ghostwriter ihre Erfahrung als Texter und Autoren an, um einem Kunden, dem diese Erfahrung oder vielleicht auch schlicht die Zeit fehlt, zu helfen, sein Buchprojekt erfolgreich umzusetzen.
Eine solche Zusammenarbeit ist eng und vertrauensvoll. Offizielle Zahlen gibt es nicht – denn Diskretion ist in der Branche alles – doch es ist anzunehmen, dass auch in Deutschland die Zahl der von Ghostwritern verfassten Bücher – ob Romane, Krimis oder Sachbücher, in den letzten Jahren gestiegen ist.

Biograf

Die Grenzen zwischen Ghostwriting und dem Verfassen von Biografien sind fließend. Häufig kommt es vor, dass eine Person eine außergewöhnliche oder besondere Lebensgeschichte erlebt hat und diese in einem Buch veröffentlichen möchte. Gerade wenn es um das selbst Erlebte geht, ist es häufig besonders schwer, die richtigen Worte zu finden, weil die nötige Distanz fehlt. Hier kommen Ghostwriter in das Spiel, die für die Erstellung der Biografie in das Gewand eines Biografen schlüpfen. Sie führen Interviews, werten Zeitungsartikel, Fotos und Tagebucheinträge aus und verwandeln das alles in ein spannendes Buch. Die Arten der Zusammenarbeit können hier ganz unterschiedlich ausfallen: Der Kunde kann das Buch unter seinem Namen veröffentlichen oder er beauftragt den Ghostwriter offiziell als seinen Biografen, was einen interessanten Wechsel der Perspektive birgt. Der Biograf nähert sich dem Objekt seiner Biografie an, versucht, die Persönlichkeit einzufangen und ihr gerecht zu werden. Eine solche Biografie wird dann unter dem Namen des Biografen herausgegeben. Wenn ein Prominenter oder ein Politiker seine Biografie schreibt oder schreiben lässt, dann nennt man das auch “Memoiren”.

Chronist

Was für Menschen gilt, gilt auch für Unternehmen, Vereine oder Organisationen: Sie alle bringen Geschichte mit, die es wert ist, niedergeschrieben und festgehalten zu werden. History Marketing gehört zu den ganz großen und wichtigen Trends im Marketing für Unternehmen und ähnliches. Hier geht es darum, die eigene Geschichte zum Zweck der Identitätsstiftung im Innen und Außen professionell aufzeichnen zu lassen und später für Marketingzwecke zu verwenden. Chronisten begeben sich auf Spurensuche – in Archiven, aber auch in Interviews und tragen so Stück für Stück die Puzzlestücke zusammen, die ein abgerundetes und einzigartiges Bild einer Firma, eines Vereins oder einer Organisation geben. Im Anschluss werden solche Chroniken entweder als Buch herausgegeben – oder es werden nur einige Exemplare für den Gebrauch des Unternehmens/der Organisation gedruckt. Auch diese Aufgabe wird häufig von Ghostwritern übernommen. Besonders von Vorteil ist, wenn diese über historisches Fachwissen verfügen.

Co-Autor

Hillary Clinton hat einen und viele andere auch: Ghostwriter werden zu offiziell genannten Co-Autoren. Ansonsten unterscheidet sich die Zusammenarbeit kaum vom klassischen Ghostwriting, außer, dass der Co-Autor tatsächlich offiziell zum Partner wird, mit dem ein Buchprojekt gemeinsam umgesetzt wird. Für den Auftraggeber hat das Vorteile: Häufig ist er selbst kein professioneller Autor, sondern Prominenter oder Politiker. Die Hilfe eines Co-Autorens in Anspruch zu nehmen, ist kein Zeichen von Unvermögen, sondern drückt Professionalität und Imagebewusstsein aus. Manch ein PR-Manager ist dankbar, wenn ein Ghostwriter seinen Job gut macht und einen Promi oder Politiker in einem Buch optimal in Szene setzt.

Schreibcoach

Manch einer will sein Buch unbedingt selber schreiben, aber irgendwie fließen die Ideen nicht und die Worte auch nicht. Hier kann das Schreibcoaching durch einen erfahrenen Schreiber sehr weiterhelfen. Gemeinsam werden Ideen gesammelt, Figuren entwickelt, Inhalte angelegt und strukturiert. Auf diese Weise wird der Schreibprozess professionalisiert und das Buch hat am Ende bessere Erfolgsaussichten. Zum Schreibcoaching gehört auch die Hilfe bei der Suche nach einem passenden Verlag sowie die Beratung bei der entsprechenden Vorstellung/Präsentation.

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