DIE WEIBLICHE HELDENREISE – PLOTMUSTER FÜR STARKE FRAUEN

DIE WEIBLICHE HELDENREISE – PLOTMUSTER FÜR STARKE FRAUEN

Wir alle lieben Helden und die Welt ist scheinbar voll von ihnen. Der Held erobert und zieht aus, er kehrt siegreich zurück und ist nun nicht mehr nur Held, sondern auch Herrscher. Diese Geschichte begegnet uns von der Antike bis in die Gegenwart in vielfältigen Formen, in Homers Odyssee bis zu Hollywoodblockbustern von heute. Der Mythenforscher Joseph Campbell entdeckte sie für Disney und machte sie zum Erfolgskonzept, das bis heute viele Autor*innen und Filmemacher*innen fasziniert.

Vieles an der Heldenreise ist männlich geprägt, was nicht heißt, dass sie nicht auch für Frauen ist. Allerdings zeigt ein Blick auf Literatur und Film, aber auch in die Alltagserzählungen von Frauen, dass die Dinge, die sie beschäftigen, in den meisten Fällen etwas mit inneren Prozessen und ihren Beziehungen zu anderen Menschen zu tun haben. Es geht um Entwicklung und Transformation, nicht angestoßen durch äußere Herausforderungen, sondern um den Blick nach innen.

Frauen brauchen andere Geschichten

Eine solche Heldenreise klingt zunächst nicht sehr spektakulär, schließlich ist da wenig “Action” drin, doch tatsächlich gibt es einige Beispiele, die zeigen, dass die weibliche Heldenreise viel Potenzial hat und Schreibenden dabei helfen kann, weibliche Figuren zu erschaffen, die mit Tiefe und Glaubwürdigkeit überzeugen und vor allem Leserinnen ansprechen.

Als Historikerin habe ich mich auf Spurensuche begeben, um herauszufinden, auf welche Weise eine weibliche Heldenreise sich möglicherweise schon in der Vergangenheit zeigt, allerdings nie “entdeckt” wurde, weil man sie nicht für wichtig genug erachtete, um sie zu entdecken. Und tatsächlich fand ich eine Fülle von Material, aus der Vorzeit über die Antike über die deutschen Märchen bis in die Gegenwart. Diese Funde habe ich in meinem Buch “Die Heimkehr der Göttin. Die mythische Heldinnenreise zu Transformation und Ganzheit” zusammengetragen.

Die weibliche Heldenreise erzählt nicht von einem Helden, sondern von einer Göttin, die verschwindet. Sie entzieht sich der Welt und kehrt gewandelt zurück. Die Unterwelt ist, anders als beim Helden, für sie nicht der Ort des Kampfes, sondern eine Wandlung jenseits der immer noch in vielen Teilen nicht gleichberechtigten Gesellschaftsordnung, in der sich Frauen eingeengt und vom Ruf ihrer Seele abgeschnitten fühlen können. Ihnen geht es oft nicht darum, diese Gesellschaftsordnung abzuschaffen, sondern einen Platz in ihr zu finden, der es ihr dennoch ermöglicht, sie selbst zu sein. Deshalb habe ich die weibliche Heldenreise die “Heimkehr der Göttin” getauft.

Wandlung statt Kampf

Die weibliche Heldenreise unterscheidet sich grundlegend von ihrer männlichen Entsprechung. Während der männliche Held oft gegen äußere Feinde kämpft, konfrontiert die Heldin eher innere Dämonen und persönliche Herausforderungen. Ihre Reise ist mehr eine der Selbstentdeckung und persönlichen Transformation, anstatt eines Kampfes gegen äußere Kräfte.

Die “Heimkehr der Göttin” stellt eine Rückkehr zur Quelle dar, zu den inneren Tiefen der Weiblichkeit. Es geht darum, das Vergessene oder Verleugnete wiederzuentdecken und zu ehren. Diese Reise ist oft geprägt von Selbstreflexion, emotionaler Heilung und spirituellem Erwachen.

Der Pfad der weiblichen Heldenreise führt die Heldin durch verschiedene Stadien, die von der Abkehr vom Bekannten, über die Konfrontation mit Schatten und Ängsten, bis hin zur Rückkehr mit neuem Wissen und neuer Kraft reichen. Es ist eine zyklische Reise, die die Frau immer wieder durchläuft, wobei sie bei jeder Runde tiefer in ihre eigene Essenz eintaucht.

In der modernen Literatur und im Film gewinnt die weibliche Heldenreise immer mehr an Bedeutung. Sie erzählt Geschichten von Frauen, die trotz Widrigkeiten ihren eigenen Weg gehen, ihre eigene Stimme finden und ihre innere Göttin entdecken und ehren. Sie steigen aus dem Diskurs von Kampf und Konkurrenz aus und suchen nach anderen Lösungen. Es handelt sich hierbei um eine echte Transformation und diese erzählerisch abzubilden, ist eine interessante, aber sehr lohnenswerte Herausforderung.

Die weibliche Heldenreise erinnert uns daran, dass Heldentum nicht nur in der physischen Stärke oder im Kampf gegen einen äußeren Feind liegt, sondern auch in der Fähigkeit, sich selbst zu erkennen, zu heilen und zu wachsen. Es ist die Heimkehr der Göttin, die uns zeigt, dass jede Frau eine Heldin ist, bereit, ihre eigene Reise zu beginnen.

Dies sind die 13 Stationen der weiblichen Heldenreise “Heimkehr der Göttin”

1. Die Welt der Väter

In Campbells Heldenreise ist dies »die normale Welt«. Frauen werden in eine Welt geboren, deren Fokus nach wie vor auf dem Mann liegt. Frauen wird oftmals nur eine Statistenrolle in der Heldenreise anderer zugestanden. Viele sexistische Zusammenhänge sind nicht sofort als solche zu erkennen, doch jedes Mädchen merkt irgendwann, dass sie anders behandelt wird als die Jungen, dass an sie andere Erwartungen gerichtet werden als an ihren Bruder. Doch da das für sie die Normalität ist, stellt sie das nicht in Frage, sondern versucht, sich anzupassen. Sie folgt den Normen und Traditionen ihrer Klasse, ihres Volkes, ihrer Zeit.

Sehr leicht können wir uns hier eine Frau vorstellen, die alles tut, um ihrem Vater zu gefallen und als Erwachsene nach dem »perfekten« Mann sucht, um ihn zu heiraten. Sie lebt im Außen, ausgerichtet auf Beifall von Männerseite, für ihren Erfolg, ihre sportlichen Leistungen, ihre Kameradschaft, während der Ruf des Weiblichen in ihr verkümmert. Oft erlebt sie irgendwann eine große Ent-täuschung, in der ihr klar wird, dass sie dennoch nie völlig von Männern akzeptiert und anerkannt werden wird – einfach weil sie eine Frau ist. Das ist meistens ihr Eintrittspunkt in die Krise und den Wandel.

Ein Beispiel aus Literatur und Film ist der Film »Titanic« von Peter Jackson. Kate Winslet geht als Rose DeWitt Bukater an Bord der Titanic. Sie ist eine Tochter aus wohlhabendem Haus und mit einem vielversprechenden jungen Mann verlobt. Auch wenn ihr das nicht gefällt, weiß sie nichts von einer möglichen Alternative und beugt sich.

In diesem Film wird die weibliche Heldenreise inklusive des Wandels durch eine Krise – die sogar im Außen sichtbar gemacht wird durch den Untergang der Titanic – abgebildet, was zeigt, dass Hollywood längst um den Unterschied zwischen männlicher und weiblicher Heldenreise weiß, vielleicht auch nur unbewusst.

In der Welt der Väter sind wir vollkommen unbewusst. Wir tun das, was man von uns erwartet und ahnen nicht einmal, dass es da noch eine ganz andere Welt gibt. Hin und wieder meldet sich vielleicht ein Gefühl der Irritation, über eine Welt, die so merkwürdig uns gegenüber ist, aber da alle anderen das auch so akzeptieren, denken wir, es sei nur ein Gefühl, das uns überfällt.

 2. Der Ruf der Sehnsucht

Was in Campbells Heldenreise »der Ruf des Abenteuers« ist, ist für Frauen der Ruf der Sehnsucht. Irgendwann ist er da, der Eine, auf den wir so lange gewartet haben. Zumindest sind wir uns dessen sicher. Da kommt ein Mann, für den wir alles über den Haufen werfen, Studium, Job, Freiheit, um mit ihm die langersehnte Zweisamkeit zu leben. Wir reisen, wir heiraten, alles scheint perfekt. Ja, es scheint. Denn lange währt dieses Glück nicht.

Die Frau spürt, dass etwas nicht stimmt und beginnt, sich nach etwas zu sehnen. Da sie nicht in Worte fassen kann, was es ist, sehnt sie sich zunächst nach dem, was ihr die Gesellschaft als Erfüllung vorgibt: Partnerschaft, Erfolg im Beruf, Schönheit, etc.

In unserer Welt ist es eine junge Frau, die sich unsterblich in einen Mann verliebt, in der Fürsorge und Hingabe zu ihm vollkommen aufgeht. Frauen sind wunderschön, wenn sie lieben.

Leider ist der darauffolgende Schmerz unvermeidlich.

In dieser Phase beginnt die Sehnsucht in uns zu pochen, erst ganz leise, dann immer lauter, bis wir diesen Ruf nicht mehr ignorieren können. Wir sträuben uns, verleugnen ihn, tun so, als ob alles in Ordnung ist, doch auf einmal ist das, was wir kennen, nicht mehr genug und wir sehnen uns nach dem Unbekannten. Es ist unsere Seele, die uns ruft, die uns auffordert, auszubrechen aus dem Gewohnten, um uns selbst zu erfahren.

Wir fürchten das Unbekannte, wir stemmen uns dagegen, doch das Lied der Sehnsucht lässt sich nicht mehr zum Schweigen bringen, wenn es einmal erwacht ist und bald durchzieht es unser ganzes Leben.

Es kann ein Mensch sein, der in unser Leben tritt, aber auch nur ein neuer Gedanke, eine Idee, die uns nicht mehr loslässt. Oft denken wir in dieser Phase zuerst: »Das darf nicht sein!«

Doch dann wird das Lied nur noch lauter und drängender, es verfolgt uns bis in unsere Träume und schließlich geben wir nach.

Eine große Lebendigkeit stellt sich ein, alles kommt in Bewegung. Wir empfinden Euphorie und schwingen ganz hoch. Wir werden von Liebe, Hoffnung und Zuversicht durchströmt. Wir lieben und werden geliebt und alles ist, wie es sein soll.

Diese Phase kennen auch Literatur und Film: Bella verliebt sich in »Twilight« in Edward, der mysteriös und faszinierend ist, ohne zu wissen, was sich in Wirklichkeit hinter ihm verbirgt. Auf der Titanic verliebt sich Rose in Jack. Jack symbolisiert ihren Ruf der Sehnsucht, der sie zunächst in eine große Lebendigkeit bringt. Sie erkennt: Ein anderes, ein erfüllteres Leben ist möglich, doch sie würde nie wagen, es zu beanspruchen. Sie weiß noch nicht, was vor ihr liegt.

 3. Der Verrat/der Verlust

Es kommt, wie es kommen musst. Die romantische Illusion bekommt Risse. Der Traummann betrügt uns, schlägt uns, verlässt uns oder entpuppt sich einfach nur als Langweiler. Vielleicht ist er auch ein Narzisst oder einfach nicht der, für den wir ihn hielten. Wir bekommen das Gefühl, betrogen worden zu sein, nicht nur von ihm, sondern von der ganzen Welt. Dieses Gefühl kennen Frauen gut. Worauf es jetzt ankommt, ist, wie sie damit umgehen.

Während sie nach dem perfekten Partner, dem perfekten Job, dem perfekten Aussehen strebt, kommt die Frau in eine Krise. Der Partner betrügt sie, der berufliche Erfolg stellt sich als Sackgasse heraus, sie fühlt sich verraten und empfindet einen starken Verlust.

Der Verrat ist eine große Ent-Täuschung und das kann sehr schmerzhaft sein.

Das Thema Verrat hat viele Aspekte. Wir können durch Freundinnen und Gefährtinnen verraten werden, weil sich Konkurrenz und Neid breitmachen. Wir können durch unsere Eltern verraten und im Stich gelassen werden oder durch unsere Kinder, die sich gegen uns wenden.

Wir können uns selbst verraten, weil wir Dingen nachjagen, die nicht für uns bestimmt sind.

Wir können von den Institutionen verraten werden, denen wir vertrauen, Ärzten, Krankenhäusern, Therapeuten, Coaches oder von der Gesellschaft als Ganzes, weil wir uns im Stich gelassen fühlen, aussortiert.

In »Twilight« erkennt Bella, dass Edward ein Vampir ist und sie in tödliche Gefahr bringt, Rose auf der Titanic sieht das wahre Gesicht ihres Verlobten und Kassandra wird dazu gezwungen, mit Aeneas zu schlafen. Rose auf der Titanic weiß nun, dass sie mit ihrem Verlobten nicht zusammenbleiben kann, doch ihre Mutter wird das niemals tolerieren. Sie sitzt in der Falle.

Der Schleier ist weg, die Illusion ist weg, doch uns stürzt das in das Chaos. Der Schmerz ist unermesslich, denn der Zusammenprall mit der Realität ist hart. 

 4. Das Labyrinth der Seele

Die Ent-Täuschung löst die Krise aus und ab jetzt irren wir durch das Labyrinth unserer eigenen Glaubenssätze, Prägungen und Überzeugungen. Wir sind erfüllt von Selbstzweifeln, von Angst, von Kummer und Schmerz. Die Einsamkeit frisst uns auf.

Die Illusion der Einheit der Paarbeziehung wurde zerstört. Das Gefühl des Getrenntseins ist stark und so irrt die Frau nun durch ein Labyrinth. Wer bin ich eigentlich? Und was ist das für eine Welt, in der ich da lebe? Eine Welt, die mir sagt, ich könnte sein, wer ich will, und mich doch immer wieder in Rollenmuster zwängt, die meine Freiheit beschneiden, ja, die mir sogar Gewalt antun? Auch emotionale Gewalt, psychischer Missbrauch oder schlicht Vernachlässigung sind Teil dieser Täuschung.

Jetzt kann die Frau nicht mehr wegsehen. Sie irrt umher und sucht verzweifelt einen Ausweg, um die Ordnung in ihrer Welt wieder herzustellen. Fatalerweise gibt es dafür verschiedene Möglichkeiten. Sie kann sich einfach wieder in die nächste Paarbeziehung stürzen. Sie kann trinken, Drogen nehmen, sich betäuben, sich mit Arbeit ablenken. Sie kann vor der Wahrheit davonlaufen. Oder sie trifft die Entscheidung, das Labyrinth verlassen zu wollen.

Die Krise wird immer stärker und mit ihr die Verwirrung der Frau. Sie sucht nach einem Ausweg, aber aufgrund des Mangels an Vorbildern, auch in Form von Storytelling und gelebten Archetypen gelingt es ihr zunächst nicht, einen Ausweg zu finden. Wir kennen Frauen, die nach der Trennung von ihrem Mann in Krisen gerät.

Auch das kennen viele Frauen. Ihr Mann geht fremd, die Kinder verhalten sich nicht so, wie sie sollen, und an allem ist die Frau schuld. Sogar an ihrem eigenen Leid gibt man ihr die Schuld. Sie soll sich nicht so anstellen, sich nicht gehen lassen, andere bekommen das doch auch hin.

In der Popkultur wird diese Station der weiblichen Heldenreise durch Britney Spears symbolisiert, die sich die Haare abrasiert und von allen für verrückt erklärt wird.

In “Titanic” wird Kates Herumirren im Labyrinth durch das sinkende Schiff symbolisiert, die Szenen sind labyrinthartig aufgebaut. Immer, wenn die beiden denken, dass sie einen Ausweg gefunden haben, müssen sie noch tiefer in das Labyrinth hinein.

Das Buch »Girl on the Train« beginnt mit der Krise, dem Moment, in dem Rachel Watson im Zug sitzt und ihren Ex-Mann beobachtet, ohne sich vollständig an die Vergangenheit zu erinnern oder ihn zu durchschauen. In Rückblenden/Erinnerungen werden dann die vorangegangenen Stationen erzählt. Effi Briest ist den Gaslighting Techniken ihres Ehemannes ausgesetzt.

Das Labyrinth hat viele Aspekte. Es erinnert uns daran, dass wir das Gefühl haben können, im Kreis zu laufen, und immer wieder in denselben Situationen landen, doch in Wirklichkeit nähern wir uns dem Punkt der Mitte an und finden ihn irgendwann. Es kann sich anfühlen wie eine Unendlichkeit, doch irgendwann erreichen wir jenen Punkt.

Wenn der Schmerz groß genug ist, dann wird die Frau die Entscheidung treffen, das Labyrinth verlassen zu wollen, auch wenn das bedeutet, dass sie alles verliert, was sie zu besitzen glaubt.

Der Weg hinaus aus dem Labyrinth kostet das Leben, das alte, vertraute, unnütz gewordene ich der überkommenen Überzeugungen, damit ein neues, wahreres ich geboren werden kann. Es ist ein echter Tod, eine tiefe Transformation, die Annäherung an den Nullpunkt.

 5. Die Begegnung mit dem Wächter

Mit der Entscheidung allein, das Labyrinth zu verlassen, ist es nicht getan. Nun schweben wir im luftleeren Raum, sind irgendwo zwischen Leben und Tod, im Raum, wo alles möglich ist. Das ist ein zugleich beängstigender als auch beunruhigender Zustand. Lebe ich? Oder bin ich schon tot?

Die Frau trifft auf jemanden (oder etwas), das oder der ihr klar macht, dass, um das Labyrinth zu verlassen, ein Opfer notwendig ist. Sie muss ihre alten Rollen abstreifen, ebenso alles, was sie über sich selbst zu wissen glaubt.

Plötzlich steht die Frau vor jemand, der sie auf die Probe stellt. Er sagt ihr: »Du kommst hier nicht vorbei.« Er steht zwischen dem, was die Frau sich so sehr wünscht und was er von ihr verlangt, ist, dass sie es einfordert, dass sie Einlass zu jenem Bereich des Göttlichen verlangt, an dem sie Heilung findet.

Ein unangenehmes Gefühl!

Worum geht es? Was immer es ist, das die Frau möchte – Heilung, Freiheit, Erkenntnis – sie muss es beanspruchen und sie muss laut, mit aller Kraft, in das Universum schreien, dass es zu ihr gehört, dass sie es besitzen darf, dass sie würdig ist, eingelassen wird.

Die Frage, die sich an dieser Stelle stellt, ist: »Wie sehr willst du es wirklich?«

Die Frau muss alles ablegen, was sie über sich zu wissen glaubt. Von hier aus geht es nur nackt weiter, schutzlos. All ihre Waffen, all ihre angehäuften Gewissheiten, sie muss sie abstreifen. Alle »Wahrheiten« der Oberwelt gelten hier nicht mehr. Ist sie bereit, sie loszulassen? Übertritt sie diese Schwelle, ist nichts mehr, wie es war, es gibt kein Zurück mehr. Deshalb prüft der Wächter sie. Meistens ist es jemand, den wir nicht besonders gut leiden können, eine unangenehme Begegnung, jemand, der uns durch und durch durchschaut und all unsere Ablenkungs- und Selbsttäuschungsmanöver durchschaut. »Ich bin ein Opfer« oder »immer gerate ich an die falschen Männer«, sind solche Selbsttäuschungen.

Vielen Frauen gelingt das nicht. Sie schrecken zurück, behalten ihre Rüstungen lieber an, bleiben im Schmerz, irren weiter durch das Labyrinth.

Als Beispiel stellen wir uns eine Frau vor, die sich einzurichten versucht mit einem sexistischen Chef und einem faulen Partner, trifft auf eine Mentorin, die ihr klar macht, dass sie so nicht weitermachen kann.

Wir entdecken diese Station auch in Literatur und Film: Rose und Jack schaffen es nicht gemeinsam auf das Rettungsboot, Bella erfährt von den Quileute, welche Bedrohung die Vampire darstellen, Kassandra wird von Paris eine verschleierte Frau als Helena vorgestellt.

 6. Das Abstreifen der alten Haut

Wenn der Schmerz groß genug ist, dann ist die Frau bereit, das zu tun, was der Wächter verlangt. Sie streift alles ab, was sie ausmacht, brennt ihre alte Haut, ihr altes Sein nieder, rasiert sich den Schädel kahl, bis sie nackt dasteht. Alles, was sie einst in der Oberwelt ausmachte, ist vergangen. Sie ist nicht mehr »schön« im Sinne von »sexy«. Sie ist nicht mehr »reich«, nicht mehr »berühmt«, nicht mehr »begehrenswert«. Sie ist nicht mehr »die Frau von dem und dem« oder die »Mutter von dem und dem«.

Dieses Brennen, dieses Abstreifen der alten Haut ist ein unendlich schmerzhafter Prozess. In unserem Leben ist das der Moment, in dem alles auf den Kopf gestellt wird. Wir verlieren Menschen, die auf einmal nicht mehr unsere Freunde sein wollen, weil sie mit diesem »Brennen« nicht zurechtkommen. »Ich verstehe dich nicht mehr« oder »ich weiß gar nicht mehr, wer du bist«, sagen sie. »Ich glaube, du hast dich verloren.« Stimmt! Das ist der Moment, an dem die Magie beginnt!

Wenn das Leid groß genug ist, ist die Frau dazu bereit. Sie verlässt ihre Rollen, was zu Irritationen in der Außenwelt führt. Jetzt gilt sie als verrückt oder rebellisch.

Ein Echo dieser Station finden wir bei der mesopotamischen Göttin Ištar, die in die Unterwelt reist, um ihren Mann zu befreien und erst eingelassen wird, nachdem sie ihre Kleidung, ihren Schmuck und all ihre Waffen ablegt. Erst dann darf sie weitergehen.

Von hier geht es nur nackt weiter. Wir sind jetzt bereit, radikale Veränderungen durchzuführen. Das alte Selbst haben wir hinter uns gelassen.

Rose aus »Titanic« kann nie wieder in ihr altes Leben zurück, sie kann sich nicht einmal sicher sein, dass sie den Untergang der Titanic überlebt, obwohl sie zur privilegierten 1. Klasse gehört. Sie hat keine Ahnung, wie es von hier an für sie weitergeht.

Bella aus Twilight entscheidet sich für Edward (und gegen Jacob) und Kassandras Bruder Troilos wird von Achill ermordet und sie nennt ihn fortan »das Vieh«.

 7. Der Urgrund der Knochenmutter

Wer das Brennen übersteht, der gelangt zum Urgrund der Knochenmutter. Hier steht die Zeit still, hier ist der Nullpunkt. Dort sitzt sie, die alte Weise, die alles kennt und alles gesehen hat. Sie kennt all jene, die dir vorausgegangen sind, kennt jedes Leben, jedes Leid, das je beweint wurde, jeden Verlust, jeden Schmerz.

Die Frau kommt nackt dorthin, mit geschorenem Haar. Ein großes Weinen ist dort, bei der Knochenmutter, das ganze Weinen der Welt, um all das Leid, das Männer in die Welt getragen haben und das Frauen erduldet haben, doch hier ist auch der Anfang für alles neue, wahre Leben.

Eine Weile darf die Frau dort sitzen, darf bei der alten Knochenmutter einen Blick hinter den Spiegel werfen, sehen, wie das Netz des Lebens alles zusammenhält, wie ihre DNA mit der ihrer Vorfahrinnen verwoben ist und wie ihre Töchter ihr Erbe tragen. Erschreckend und schön ist es, was sie dort erfährt. Sie weiß nicht mehr, wer sie ist. Ist sie verrückt? Oder tot?

»Was soll ich jetzt tun?«, fragt sie die Knochenmutter.

»Etwas von dir muss hierbleiben«, sagt die Knochenmutter.

»Aber ich habe doch schon so viel verloren«, sagt die Frau.

»Und dennoch«, sagt die Knochenmutter.

Und hier, am Scheideweg, am Scheitelpunkt der Welt, beginnt der Heilungsaspekt der Transformation. Die ersten Abschnitte waren der Reinigung und Befreiung gewidmet, die sich oft schmerzhaft und chaotisch anfühlten. Aber jetzt ist die Frau der Welt »entrückt« und damit auch den Rollen, die man ihr aufdrückt.

Sie sieht die Oberwelt aus der Perspektive der Unterwelt und erkennt, was alles dort nicht stimmt. Die Schärfe, mit der sie das erkennt, wird sich später wieder mildern, doch hier, ist sie unbestechlich. Sie identifiziert all die Lügen, die man ihr erzählte, um sie zu kontrollieren, auch die Lügen jener, die sie lieben, wie ihre Eltern.

Hier trinkt sie aus dem Becher der Wahrheit, den die Knochenmutter ihr hinhält. Er ist Gift und Medizin zugleich, so wie alle potenten Heilmittel.

Die Frau gelangt innerlich (und äußerlich) an einen Ort der Wahrheit, wo sie erfährt, dass ihre Erfahrungen nicht auf sie allein beschränkt sind, sondern archetypisch bedingt sind für Frauen, die sich aus den patriarchalen Rollenmustern befreien wollen. Zwar hat der Feminismus große Fortschritte erlangt, doch in unserem Alltag haben viele Frauen ihre Mitte und ihre eigene weibliche Rolle noch nicht gefunden, sondern leben die nach, die durch eine nach wie vor männlich geprägte Gesellschaft vorgegeben werden, was zu einem Gefühl der Entfremdung und fehlenden Resonanz führt.

Wir verschwinden aus der Oberwelt, sind nicht mehr sichtbar, hier, am tiefsten Punkt. Die Grenze zwischen Leben und Tod wird hier zu einer dünnen Linie, die jederzeit zerrissen werden kann und oft ein Opfer fordert. Die Frau wird mit dem Tod konfrontiert, als unleugbaren Teil der Realität.

In einer Geschichte würde diese Station repräsentiert werden von einer Frau, die einige Tage auf einer Akutstation in der Psychiatrie verbringt, wo sie einige schmerzhafte Wahrheiten über sich selbst und das Leben lernt.

 8. Das Opfer

Wer aus der Reise in die Unterwelt etwas mitnehmen möchte, der muss einen Teil von sich da lassen. Die Frau hat nichts mehr, keine Kleider, keinen Schmuck, nicht einmal mehr Haare. Also muss sie etwas von sich heraustrennen und übergeben. Es kann ein Stück ihrer Seele sein oder ihres Körpers. Vielleicht ist es ihre Fruchtbarkeit. Vielleicht der Kinderwunsch. Vielleicht der Glaube an ihre Unverletzbarkeit, die Beziehung an ihre Mutter oder der Glaube an eine funktionierende Partnerschaft mit einem Mann. Es ist etwas Unwiederbringliches, etwas, das sie nie wieder erhält und das ihr Leben für immer verändert. Sie wird zögern. Sie wird hadern. Doch sie ist schon so weit gekommen. Sie wird das Opfer bringen.

Die Frau erkennt, dass sie etwas aufgeben muss, meistens die Vorstellung von Glück, die ihr anerzogen wurde. Eine Partnerschaft, Erfolg im Beruf, etc. allein können sie nicht glücklich machen, solange sie sich selbst nicht gefunden hat. Sie muss es wirklich loslassen, dem großen Sterben anheimgeben. Von hier gibt es keine Wiederkehr, hier gibt es kein »Vielleicht« oder »Ich weiß nicht«.

Der Trank aus dem Becher der Wahrheit hat die Frau gestärkt. Sie ist jetzt, todesmutig, bereit, dieses Opfer zu bringen. Sie schneidet einen Teil von sich selbst heraus und opfert ihn blutig auf dem Altar der Wahrheit.

Das Opfer hat oft etwas mit versteckten Scham- und Schuldgefühlen zu tun. Es sind Dinge, die wir uns selbst nicht eingestehen wollen, die wir leugnen und ignorieren, auch vor uns selbst.

Wir opfern unser »falsches« Selbst, damit unser neues sich manifestieren kann.

Wir erinnern uns hier an die griechische Persephone, die die Hälfte des Jahres in der Unterwelt verbringen muss.

In unserer Gegenwart kann diese Phase so aussehen: Eine Frau macht den Missbrauch in ihrer Familie öffentlich und erträgt die Anfeindungen und die Isolation.

Literatur und Film erzählen uns diesen Abschnitt so: Jack ertrinkt im eiskalten Atlantik (würde er überleben, würde Rose nur wieder eine neue Rolle annehmen, statt sie selbst zu werden), Bella enttäuscht ihren Vater und Kassandra trennt sich von Aeneas.

 9. Der Blick in Inannas Spiegel

Wer ein Opfer bringt, der wird belohnt. In diesem Fall kann sich die Frau nun so sehen, wie sie wirklich ist. Sie darf einen Blick in den magischen Spiegel der Wahrheit werfen. Sie sieht sich als die göttliche Inkarnation, die sie immer war, bevor die Glaubenssätze des Patriarchats sie unterdrückten und sie von ihrer Anbindung an die Große Mutter trennten. Sie sieht ihre Schönheit, sie sieht, dass sie unbesiegbar ist, weil sie bis zu dieser tiefsten Höhle vorgedrungen ist, weil sie keine Angst vor der Wahrheit hatte. Sie erkennt, in welcher Lüge sie all die Zeit in der Oberwelt gelebt hat, und sie erkennt den gewaltigen Verlust, den das Patriarchat den Frauen aufgebürdet hat, über so viele Generationen hinweg. Sie erkennt, dass sie Teil einer jahrtausendealten Schwesternschaft ist.

Sie erkennt ihr eigenes, unsterbliches, unverletzliches ich, stark, weiblich, unzerstörbar, mit unendlicher Schöpferkraft, jenes ich, das die Männer so sehr fürchten und von dem sie sie mit aller Macht zu entfremden versuchten.

Wenn sie dazu bereit ist, darf sie einen Blick in den Spiegel werfen. Sie darf sich selbst erkennen, mit all ihren Stärken und Schwächen, ihren Verletzungen und ihrem Potenzial.

Davon erzählt uns die Geschichte von Inanna, die in die Unterwelt zu ihrer Schwester Ereskigal reist und dafür große Herausforderungen auf sich nimmt.

Was die Frau von dort mitnimmt, ist das unbestechliche Vertrauen in sich selbst, in ihre Kraft, in ihre Macht. Niemand kann ihr das jemals wieder nehmen. Sie weiß jetzt, wer sie ist und das ist mehr wert als all das, was sie auf dem Weg hierher aufgegeben hat.

Jetzt erst beginnt die wahre Magie ihres Seins.

Eine mögliche Geschichte der Jetztzeit wäre eine Frau, die bereit ist, endlich auch Wut und Zorn zuzulassen und stellt ihren Vergewaltiger zur Rede, was ihr einen anderen Blick auf sich selbst ermöglicht.

In Literatur und Film wird es spannend: Rose ist sich unsicher, ob sie auch sterben möchte, kämpft aber dann um ihr Überleben, Kate treibt mit bleichen Lippen über den Atlantik, die Sinne schwinden ihr bereits und sie schaut hinauf zu den Sternen. Sie ist fast tot – aber nur fast und als sie die Rettungsboote hört, pfeift sie mit aller Kraft. Sie will nicht sterben! Bella erkennt, dass sie Edward liebt und für diese Liebe bereit ist, alles zu opfern, und Kassandra zieht sich in den IDA-Berg zurück.

 10. Die Heimkehr in den Schoß der Göttin

In all dieser Erkenntnis weint und trauert die Frau, sie trauert um all das, was verloren ist und das, was sie gefunden hat und sie wird zugleich durchströmt von unendlichem Glück, denn endlich, endlich ist sie angebunden. Da ist sie die Liebe, die Mutterliebe, die Liebe, nach der sie so lange gesucht hat. Sie kehrt heim in den Schoß der Großen Göttin, die immer da war und immer da sein wird, jene, von der wir alle kommen und zu der wir alle zurückkehren. Sie erfährt die Liebe, nach der sie sich immer gesehnt hat, vollkommene Einheit. Sie ist eine Tochter der Göttin, in all ihren Aspekten, die Jungfrau, die Mutter, die alte Weise, die Knochenmutter. Sie ist eins mit der Welt und dem Universum. Alle Wunden der Frau, alle Traumata, sie heilen, verschwinden. Aller Schmerz endet.

Das kann ganz plötzlich, ohne äußeren Anlass, geschehen. Weil sich in der Frau etwas zutiefst gewandelt hat, wandelt sich nun auch das Außen. Ihre energetische Signatur ist eine andere. Sie ist heil, sie ist transformiert, eingehüllt in die Liebe der Großen Mutter.

Wir erkennen, dass wir uns selbst lieben, nähren und heilen können und dürfen. Das ist die wichtigste Lektion von allen.

Die Frau erkennt, dass sie nicht allein ist, sondern angebunden an eine allumfassende Kraft der Weiblichkeit, die alles durchströmt. Sie spürt eine mütterliche Gegenwart und eine Verbindung zu anderen Frauen, die die gleiche Reise antreten wie sie und sucht die Nähe zu ihnen.

In einer Geschichte könnte das so aussehen: Eine Frau in einer unglücklichen Beziehung lernt, sich selbst zu lieben.

Als Blockbuster und Literaturklassiker sieht diese Station folgendermaßen aus: Rose wird gerettet und kommt als Passagierin ohne Namen auf das Rettungsschiff, wo sie ihrem Verlobten aus dem Weg geht. Bella gelingt es, Edward zu retten und Kassandra bekommt Zwillinge.

 11. Die Wiedergeburt

Aus dem Schoß der Göttin, aus dem Quell allen Lebens, wird die Frau wieder geboren. Sie erhebt sich, setzt sich neu zusammen, ein neues, ganzes, heiles ich, unberührt, unverletzt von all den Anfeindungen der Gesellschaft, strahlend schön, wird geboren. Sie ist geheilt.

Jetzt ist die Frau bereit, sich selbst neu zu erschaffen. Sie hat ihre alten Rollenmuster abgestreift, auch ihre alten Überzeugungen abgelegt und wird als sie selbst wiedergeboren. Sie ist mit sich selbst im Reinen.

Mit dem Wissen um ihr neues »Ich«, ihrem neugewonnen Vertrauen in sich selbst kehrt die Frau zurück in die Welt. Sie glüht, vor Kraft und Selbstliebe und für manche ist dieses Licht beinahe zu hell.

Als Geschichte denkbar wäre folgender Plot: Nach einer öffentlichen Bloßstellung im Internet findet eine Frau den Mut, zu ihrer Geschichte zu stehen und ihren Gegnern die Stirn zu bieten.

Auch Film und Literatur kennt diesen Abschnitt: Rose nimmt aus einem Impuls Jacks Nachnamen an und erreicht New York. Der neue Name und die neue Identität sind ihre Wiedergeburt als ihr wahres Ich. Sie kämpft nicht gegen ihre Mutter oder den Verlobten, sie verschwindet einfach und erschafft sich an einem sicheren Ort ein Leben, so wie sie es leben möchte. Bella in “Twilight” will sich in einen Vampir verwandeln und Kassandra kehrt nach Troia zurück.

 12. Die Herstellung der ursprünglichen Ordnung

Die Frau kehrt zurück in die obere Welt. Dort hat man sich schon Sorgen gemacht. »Was mit der wohl nicht stimmt?« Jetzt stimmt gar nichts mehr. Wie eine Furie fegt sie durch ihr Leben und macht Ordnung. Sie schmeißt alles raus und um, was nicht mehr stimmt, Männer, Job, Freundinnen. Nichts, was nach patriarchalen Regeln wirkt, darf noch in ihrem Leben sein. Es ficht sie nicht mehr an, was jemand über ihren Körper, über ihre Handlungen sagt. Sie ist frei und trägt das Feuer der Göttin in sich. Sie ist geschützt und gehalten in einem unsichtbaren Raum für all jene, die nie im Schoß der Göttin waren. Das Feuer brennt in ihr, doch es verbrennt sie nicht. Sie ist eine Frau der alten Ordnung, jene Ordnung, die war, bevor die Männer sie usurpierten und die Welt in Chaos und Leid stürzten.

Es ist wichtig, diese Stufe nicht als »Kampf« oder »Rache« zu verstehen. Es geht vielmehr darum, dass die Frau aufgrund ihrer tiefen, inneren Entscheidung ihre Energie neu ausrichtet und das allein sorgt für mannigfaltige Veränderungen im Außen. Sie belohnt das, was ihr wichtig ist – sie selbst, ihr Körper, ihre Kinder und ihre Projekte – mit Aufmerksamkeit und Liebe und sie entzieht ihre Energie all jenen Zusammenhängen, die sie nur benutzt haben, denen sie dienlich sein sollte und die sie krank gemacht und die Krise hervorgerufen haben. Sie wird zu einer inneren Herrscherin, über ihr Reich, wie klein es auch sein mag.

In Literatur und Film ist beides schon bekannt: Rose lebt ihr Leben frei und unbekümmert, sie lebt ihre Interessen aus, Bella und Edward sind endlich zusammen, Kassandra entscheidet sich gegen Aeneas, weil dieser droht, ein Held zu werden.

 13. Die neue, alte Welt der weiblichen Ganzheit

Jetzt lebt die Frau ihre Wahrheit, die aus ihrer Mitte heraus spricht. Sie kann sich einen Gefährten suchen oder es lassen, doch sie weiß, dass ihr Glück nicht in der Paarbeziehung liegt, sondern in sich selbst. Männer reagieren auf ihre geheilte Weiblichkeit mit Faszination, manchmal auch mit Aggression, doch sie hat keine Angst mehr. Sie hat das Spiel durchschaut. Ungeheilte Weiblichkeit jüngerer Frauen reagiert auf sie mit Manipulationsversuchen, mit der unbewussten Sehnsucht nach der starken, heilen Mutter, die so viele Menschen vermissen, alle möglichen Sehnsüchte und Vorwürfe werden an sie adressiert. Es wird versucht, sie in alle möglichen Dramen hineinzuziehen, damit sie wieder hineinpasst, in diese Welt aus Chaos und umgestürzter Ordnung, doch sie lässt sich nicht aus ihrer Mitte bringen. Sie ist sich selbst genug. Sie lebt ihre Wahrheit, ohne zu missionieren.

Sie geht als Vorbild voraus, ohne das zu beabsichtigen, sie ruht in sich und ihrem Körper, was nicht heißt, dass man sie nicht mehr treffen kann. Aber sie hat jenen Punkt in sich gefunden, ein Gleichgewicht, eine Resonanz mit dem Göttlich-Weiblichen, zu dem sie immer wieder zurückkehrt und das bedeutet, dass man sie nicht mehr ver-rücken kann. Sie selbst ist jetzt das Zentrum ihrer Welt, mit einer großen Gravitationskraft, doch sie weiß auch um die uralten, magischen Zyklen der Natur, in die sie eingebunden ist. Nie wäre sie so vermessen, diese zu leugnen, sondern sie erkennt sie als entscheidende Einflüsse auf ihr Leben.

Als moderne Übersetzung können wir uns folgende Situation vorstellen: Eine Frau gründet einen spirituellen Zirkel, zu dem sie Frauen einlädt, um mit ihnen Weiblichkeit zu feiern.

So enden auch Filme und Bücher: Rose kehrt als alte Frau zurück und versenkt »Das Herz des Ozeans«, ein Kreis schließt sich, Edward und Bella wollen für immer zusammen sein, auch wenn Bella (zunächst) kein Vampir wird, und Kassandra entscheidet sich für den Selbstmord, weil sie erkennt, dass es in der streng männerfokussierten Welt des antiken Griechenland für sie niemals Freiheit geben kann (im Gegensatz zu unserer Gegenwart).

»Die Heimkehr der Göttin – die mythische Heldinnenreise zu Transformation und Ganzheit« von Sarah Rubal, 978-3757559434, Taschenbuch, 27,99 Euro – auf Amazon und überall, wo es Bücher gibt

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